Ärztinnen in die Führung!

Erfolgreiche Frauen für die Medizin der Zukunft

Der Anteil an Frauen in der Ärzteschaft in der Schweiz steigt weiter. Seit zehn Jahren schliessen mehr Frauen als Männer ein Studium der Humanmedizin ab. Nur mehr bei den über Vierzigjährigen stellen die männlichen Ärzte noch die Mehrheit, bei den jüngeren Jahrgängen sind es durchgängig Frauen. Diese neue Geschlechterverteilung setzt sich allerdings bei den ärztlichen Führungspositionen bisher nur langsam durch: Lediglich 22% der leitenden Arzt- und 11% der Chefarztpositionen waren 2014 von Frauen besetzt. Man spricht hier vom Phänomen der «leaky pipeline». Während also die Medizin weiter «feminisiert» wird, bleiben die Chefpositionen in männlicher Hand?

Wie kann der Frauenanteil in den ärztlichen Führungsfunktionen gestärkt werden? Und grundsätzlicher noch: Wie gelingt es, mehr Ärztinnen im Beruf zu halten?

Der Kurs «Ärztinnen in die Führung!» will Ärztinnen vor oder am Anfang ihrer Führungskarriere motivieren und bestärken, sich in einem herausfordernden und bisweilen harten Umfeld durchzusetzen und sich – fast- allein unter Männern- zu behaupten.

Feminisierung on top?

Unter dem Begriff «Feminisierung der Medizin» verstecken sich unterschiedliche Aussagen und Besorgnisse: Der Frauenanteil in der Medizin nimmt zu, damit aber auch der Anteil an Teilzeitbeschäftigten, sowie Aussteigerinnen und von Ärztinnen, die sich keine höhere Führungsfunktion vorstellen oder leisten können. Wichtige Ressourcen für Patienten und Patientinnen, Spitäler aber auch das Gesundheitssystem insgesamt bleiben ungenutzt. Aber auch individuelle Möglichkeiten, Qualitäten und Talente werden nicht ausgeschöpft. Während auf der einen Seite in dunklen Tönen ausgemalt wird, dass die sogenannte Feminisierung zu einer Statusminderung des ärztlichen Berufes führen wird, zeigen neue Studien, dass Patientinnen und Patienten von Ärztinnen profitieren, weil sich diese im Unterschied zu ihren männlichen Kollegen enger an Guidelines halten und besser kommunizieren würden.

Für die vergleichsweise geringe Zahl an Ärztinnen in den oberen Führungspositionen gibt es verschiedene Ursachen. Neben fehlenden strukturellen Voraussetzungen etwa bei Arbeitsmodellen, Kinderbetreuungsangeboten und weiteren Rahmenbedingungen, spielen auch kulturelle und sozialisationsbedingte Faktoren eine wichtige Rolle: Welches Klima, welche Umgangsformen, welche Erwartungen herrschen in den Chefetagen? Wie schaffen es Frauen, frühzeitig ihre Fähigkeiten und Führungsqualitäten wahrzunehmen und nach aussen auch entsprechend zu verkaufen?

Drei Module

In drei Kursmodulen à zwei Tagen sollen Ärztinnen darin bestärkt werden, sich für den Weg nach oben bereit zu machen, Ihre Führungskarriere strategisch zu planen und Freude daran zu entwickeln, Positionen zu erreichen, die Einfluss, Spielraum und Entscheidungsmöglichkeiten bieten, um ein Umfeld gestalten zu können, das den eigenen Ansprüchen an Professionalität, zwischenmenschlichem Umgang und Exzellenz entspricht.

Das erste Modul beschäftigt sich mit Macht- und Statusspielen und soll die Teilnehmerinnen befähigen, mit mehr Durchsetzungsraft, Leichtigkeit und durchaus auch mit Freude am Spiel unterwegs zu sein. Neben typischen Machtspielen in meist von Männern geprägten Hierarchien werden auch manipulative Dynamiken in Frauengruppen analysiert und wesentliche Unterschiede im erfolgreichen Führen von Frauen und von Männern verdeutlicht.

Das zweite Modul ist der Sicht auf unterschiedliche Karrierewege und –strategien gewidmet. Erfolgreiche Ärztinnen, die es in Klinik und Wissenschaft bis nach oben geschafft haben, erzählen von ihrem persönlichen Weg und geben Einblick in ihre best practices. Die wichtigsten Fragen der Teilnehmerinnen zu Führung, Forschung, Klinik und Bildung können mit  ausgewiesenen Expertinnen diskutiert werden. Es wird zudem ein universitäres Mentoringprogramm vorgestellt und ein erster Überblick über erfolgreiches strategisches Networking vermittelt.

Im dritten Modul stehen die Themen Auftritt, Selbstmarketing, Networking und Zielfokussierung im Zentrum. In einem halbtägigen Auftrittstraining wird an der Verbesserung der eigenen Aussenwirkung gefeilt. Die Teilnehmerinnen erstellen zum Abschluss des Kurses ihren persönlichen, konkreten Ziel- und Networkingplan.

Der Kurs ist FMH-zertifiziert.

Kursinhalte

Modul 1

  • Machtprozesse und –phänomene in hierarchischen Institutionen
  • Typische Kommunikationsmuster von Frauen und Männern (ein soziolinguistisches Kommunikationsmodell)
  • Spielregeln im Machtspiel und der Umgang mit Fouls
  • Status- und Positionierungsspiele
  • Dynamiken in Frauengruppen
  • Die «Königin» als neues Rollenmodell

Modul 2

  • Erfolgsgeschichten und Diskussion über Karrierewege mit der Klinikdirektorin und Chefärztin Dr. med. Stephanie von Orelli vom Stadtspital Triemli und PD Dr. med. Vanessa Banz, Leitende Ärztin Viszerale Chirurgie am Inselspital Bern
  • Expertendiskussion zu Führung, Forschung, Klinik und Bildung mit Prof. Dr. med. Beatrice Schimmer-Beck, Professorin an der Universität Zürich und leitende Ärztin am UniversitätsSpital Zürich
  • Vorstellung COMET Karriereprogramm der Universität Bern
  • Einführung in strategisches Networking

Modul 3

  • Auftrittstraining mit Sibylle Sommerer, speak
  • Vision und Zieldefinition
  • Persönliches Stärkenprofil
  • Selbstbewusstsein: Vom Denken ins Handeln kommen
  • Strategisches Networking
  • Persönlicher Ziel- und Networkingplan

Programmleitung

Sibyl Schädeli, lic.phil. Ethnologie, MAS betriebswirtschaftliches Management, zert. Coach, Mitglied der Geschäftsleitung college M. Langjährige Erfahrung in Führungs- und HR- Funktionen u.a. am Universitätsspital Basel.

Expertinnen

Frau Prof. Dr. med. Beatrice Beck Schimmer,  Professorin an der Universität Zürich und leitende Ärztin im Institut für Anästhesiologie am UniversitätsSpital Zürich

Frau KD Dr. med. Stephanie von Orelli, Klinikdirektorin und Chefärztin Frauenklinik im Stadtspital Triemli

Frau PD. Dr. med. Vanessa Banz, Leitende Ärztin Viszerale Chirurgie am Inselspital Bern

Frau Sabine Höfler, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Bern und Verantwortliche für das COMET – Karriereprogramm

Frau Sibylle Sommerer, Auftrittstrainerin der Firma speak GmbH

Teilnehmerinnen

Oberärztinnen, Leitende Ärztinnen
(Ärztinnen, die bereits an einem Kurs «Fertig mit nett!» von college M teilgenommen haben, können im zweiten Modul einsteigen)

Daten und Kursort

Für den Besuch aller Module werden FMH-Credits vergeben.

2018
Modul 1: 13./14. September 2018
Modul 2: 25./26. Oktober 2018
Modul 3: 22./23. November 2018

2019
Modul 1: 5./6. September 2019
Modul 2: 28./29. Oktober 2019
Modul 3: 28./29. November 2019

Haus der Universität, Schlösslistrasse 5, 3008 Bern

Kosten

CHF 2900.- für drei Module, Verpflegungskosten gehen zu Lasten der Teilnehmerinnen

Anmeldung

college M, Haus der Akademien, Laupenstrasse 7, Postfach, 3001 Bern, Telefon 031 306 93 80, Mail: info@college-m.ch