Wenn ein Arzt sich das Genick bricht…

…der emeritierte Harvard-Professor und langjähriger Chefredaktor des New England Journal of Medicine, Arnold Relman, hatte sich letztes Jahr bei einem Sturz eine Treppe hinab das Genick gebrochen. Kürzlich beschrieb er seine Erfahrung als Spitalpatient. Heute 90jährig und nach über 60 Jahren klinischer Tätigkeit, erlebte er zum ersten Mal Spitalmedizin – als Patient. Der Artikel hat sich in den USA wie ein Lauffeuer verbreitet.

„When nursing is not optimal, patient care is never good“ – Da muss ein hoch engagierter, weitsichtiger Mediziner 90 Jahre alt werden und sich buchstäblich das Genick brechen, um zu erkennen wie wichtig Pflege für das Patientenwohl ist! Persönliche Betreuung hätte er kaum von Ärzten, sondern hauptsächlich von Pflegenden erhalten. Und die sei elementar, um gesund zu werden, so seine Erfahrung.

Trotz seinem fortgeschrittenen Alter bei guter Gesundheit war er in seinem Haus eine Treppe hinunter gestürzt und hatte sich Halswirbel gebrochen. Während 11 Tagen Intensivstation und 4 Wochen Rehabilitation überlebte er nicht nur den prekären Bruch, eine Hirnblutung und viele weitere Komplikationen, sondern erholte sich vollständig.

Was ihm dabei besonders auffiel, war wie sehr heute die Technik den Kontakt zwischen Arzt und Patient bestimmt und die Doktoren mehr auf Monitore und Listen schauen als in die Augen des Patienten. Selbst im besten Spital mit den besten medizinischen Möglichkeiten – erfährt Arnold Relman am eigenen Beispiel – benötigen Patienten persönliche Zuwendung.

Wenn Spitzenmedizin sich immer weiter differenziert und technisiert, droht der Patient als Mensch fast zwangsläufig aus dem ärztlichen Blickfeld zu fallen. Dass die Pflegenden hier wirkungsvoll einspringen ist nicht neu. Neu ist die Bedeutung für das Zusammenspiel zwischen Ärzten und Pflegenden und für die Rolle der Pflegenden mit mehr Verantwortung und Autonomie. Das – so meint Arnold Relman – ist zukünftig gute Medizin.

(Autor: Peter Berchtold)

Quelle: Arnold Relman “On Breaking One’s Neck” in der New York Review of Books.