Evidenz: Gutes Management rettet Leben!

Gutes Management macht Spitäler – auch klinisch – besser. Überrascht? Der Zusammenhang zwischen gutem Management und finanziellem Erfolg scheint offensichtlich. Überraschend zeigt nun eine Studie, die in sieben Ländern rund 1200 Spitäler befragte, dass Managementqualität und gute Medizin Hand in Hand gehen. Zudem korreliert ein höherer Anteil an klinischer Erfahrung im Management mit gutem Spital-Management.

Was bringt Management im Spital? Zu dieser Frage gab es bislang erstaunlich wenig Evidenz. Die Folge ist ein typisches Auseinanderfallen von „Gläubigen“ und „Skeptikern“. Während die einen auf Management schwören, halten die anderen gar nichts davon. Wir kennen diese Diskrepanz aus vielen Diskussionen im Gesundheitswesen. Um den Diskurs jenseits von Ideologien pflegen zu können, befragte der World Management Survey seit 2004 über 10’000 Manager in 21 Ländern und 4 Kontinenten, davon rund ein Fünftel in Spitälern. Unter Mitwirkung z.B. von Stanford und der London School of Economics, suchte der Survey nach Unterschieden in der Qualität des Managements. Diese wurde an Hand von 3 Management-Praktiken evaluiert: Leistungs- und Zielmanagement, Personalmanagement sowie operatives Management.

Management matters

Für Industrieunternehmen konnte gezeigt werden, dass eine Ein-Punkt-Steigerung des fünfteiligen Management Scores mit 20% Produktivitätssteigerung und einem 14% höheren Börsenwert einhergeht. Das sind höchst eindrückliche Resultate. Auch für Spitäler wurden relevante Unterschiede gefunden. Drei wichtige Ergebnisse sind:

  1. Es existiert ein starker positiver Bezug zwischen Managementqualität und klinischen wie betriebswirtschaftlichen Ergebnissen. Z.B. sinkt mit besserem Management die Mortalität nach Herzinfarkt, steigt die Patientenzufriedenheit und bessern sich die finanziellen Ergebnisse des Spitals.
  2. Spitäler mit einem höheren Anteil an klinisch qualifizierten Kräften im Management zeigen höhere Managementqualität. Der Einbezug von medizinischem Wissen und Erfahrung erweist sich als erfolgskritisch.
  3. Die Managementqualität variiert breit. Dabei sind die Unterschiede innerhalb eines Landes jeweils viel grösser als zwischen den Ländern – das heisst, in jedem Land gibt es eine grosse Bandbreite von sehr gut bis sehr schlecht geführten Häusern.

Für das UK wurde evident, dass eine Verbesserung um einen Punkt im Management Score mit einer 6%-Reduktion der Mortalität bei Herzinfarkten einher geht. Sowie mit 33% Zunahme der Erträge pro Bett. Auch wenn kein eindeutiger kausaler Link behauptet werden kann, legen die Ergebnisse doch nahe, dass „Management really matters“. Managementqualität geht sowohl Hand in Hand mit Patientensicherheit und Patientenzufriedenheit, als auch mit besseren finanziellen Ergebnissen.

Management und Medizin = Qualität

Das Forschungsdesign des World Management Surveys bietet durchaus Anlass zu konzeptionellen wie methodischen Diskussionen. Unbeschadet davon liegen interessante Ergebnisse vor, die nicht einfach zur Seite zu wischen sind. Nicht zuletzt die Einsicht, dass ein höherer Anteil an klinischer Erfahrung im Management mit gutem Management einher geht. Hier liegt vielleicht sogar ein Schlüssel: Spitäler werden ihre Qualität dann entfalten, wenn es gelingt, medizinisches Wissen mit der Erfahrung des Managements zu kombinieren – zugunsten der Patienten und der Steuerzahler. Ist das nicht eine ausgezeichnete Diskussionseinladung, um auch hierzulande weiter zu klären, was unter gutem Management verstanden werden soll?

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